Postfaktisch

Merkel stellte sich vors Mikro und sagte: ‚Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.‘

2016 hat es das Wort postfaktisch zum Wort des Jahres geschafft. Was sagt das über den Stellenwert der Gefühle im Jetzt aus? Lässt sich die Gesellschaft von den Gefühlen leiten und die Fakten sind nicht mehr so wichtig? Gibt es Situationen bei denen das Hören auf das Bauchgefühl irrsinnig wirkt? Ist Intuition aussagekräftig und seriös? Wird der Verstand vom Bauch verdrängt oder verschmelzen die beiden immer mehr zu einer Einheit? Diese Fragen beschäftigen mich bei der Beobachtung des Bauchgefühls – heute und jetzt. Anbei ist der Wikipedia-Eintrag zu postfaktisch aufgelistet.

postfaktisch
Adjektiv, Deutsch

Hinweis:

Das Wort „postfaktisch“ wurde von der GfdS zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Worttrennung:

post·fak·tisch, keine Steigerung

Aussprache:

IPA: [ˈpɔstˌfaktɪʃ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild postfaktisch (Info)

Bedeutungen:

[1] auf Gefühlen, nicht auf Tatsachen beruhend

Herkunft:

Lehnübersetzung aus dem Englischen zum Adjektiv post-truth → en, das von Ralph Keyes → WP in seinem 2004 erschienenen Buch „The Post-Truth Era“ geprägt wurde[1]
Wortbildung: Derivation (Ableitung) des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post-

Synonyme:

[1] gefühlsmäßig, populistisch, unsachlich

Gegenwörter:

[1] faktisch, auf Fakten beruhend

Beispiele:

[1] „Eine neue Vokabel ist in Mode gekommen: ‚postfaktisch‘.[2]
[1] „Merkel stellte sich vors Mikro und sagte: ‚Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.‘“[3]
[1] Der Schweizer Physiker und Philosoph Eduard Kaeser sieht im postfaktischen Zeitalter die Gefahr einer „Demokratie der Nichtwissenwollengesellschaft“ – als Folge der Informationsflut in der digitalen Welt, die zentrale Standards wie Objektivität und Wahrheit auswäscht.[4]
[1] „Trumps Politikstil wird oft als postfaktischer Politikstil (englisch: post-truth politics) konzeptionalisiert.“[5]
[1] „‚Die Medien hatten einen derart großen Einfluss darauf, wie wir diesen Fall wahrgenommen haben‘, kritisiert Blackhurst, und McGinn ergänzt: ‚Wir befinden uns mittlerweile im Zeitalter der postfaktischen Demokratie, in der Tragödien wie diese mit Entertainment verschmelzen.‘“[6]
[1] „Das postfaktische Zeitalter lässt sich nun einfach dadurch charakterisieren, dass in ihm das Szenario der Wahrheit gegenüber den beiden anderen Szenarien immer mehr an Gewicht verliert.“[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] postfaktische Demokratie, Politik; postfaktischer Politikstil; postfaktisches Zeitalter

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Postfaktische_Politik

Quellen:

  1. Ralph Keyes: The Post-Truth Era: Dishonesty and Deception in Contemporary Life. Ralph Keyes, abgerufen am 11. Oktober 2016.
  2. Peter Widmann: Postfaktisch: Die Politik der Gefühle. In: Deutschlandradio Kultur. 10. Oktober 2016 (Online, abgerufen am 11. Oktober 2016).
  3. Benedikt Narodoslawsky: Wahrheit, nein danke! In: Falter. Nummer 39/2016 (Online, abgerufen am 11. Oktober 2016).
  4. Was Merkel meint, wenn sie von „postfaktischen Zeiten“ spricht. In: FOCUS Online. 23. September 2016, ISSN 0943-7576 (URL, abgerufen am 11. Oktober 2016).
  5. Wikipedia-Artikel „Donald Trump “ (Stabilversion).
  6. Amanda Knox: Doku über „postfaktische Demokratie“. In: Krone Online. 15. September 2016 (URL, abgerufen am 11. Oktober 2016).
  7. Eduard Kaeser: Das postfaktische Zeitalter. Googeln statt Wissen. In: NZZOnline. 22. August 2016, ISSN 0376-6829 (URL, abgerufen am 11. November 2016).
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